Was ist Baubiologie?

 


Die moderne Baustoffindustrie praktiziert in hohem Masse Produkt- und Rohstoffrecycling. Im Hinblick auf den gesamten Kreislauf von Produkten ist dies sicherlich löblich, da dadurch Abfälle aus Industrie und Produktion reduziert werden. Kunststoffe, Chemikalien, Gipse, Schlacken und verschiedene andere Stoffe werden in der Baustoffproduktion in neue Stoffe
integriert und sorgen für neuartige Baumaterialien mit zahlreichen positiven Eigenschaften, wie z.B. Haltbarkeit, gute Verarbeitbarkeit, Wetter-, Hitze- und Feuerbeständigkeit, Abriebfestigkeit, etc.

Gleichzeitig weisen Häuser, die nach heute geltenden Vorgaben zur Energieeinsparung erstellt wurden, eine hohe Wärmedämmung und eine hohe bis absolute Dichtigkeit der Gebäudehülle auf. Um den Verbrauch von Energierohstoffen bei der Hausheizung – und damit den Kohlendioxidausstoss- zu verringern, ist dies eine wichtige Massnahme.

Die Kombination von Baustoffen, die aus synthetischen Chemikalien und Erdölprodukten hergestellt wurden und dem dichten Einbauort führt jedoch teilweise zu hohen Schadstoffgehalten der Raumluft. Zunehmend klagen Bewohner von ungesunden Häusern über unspezifische Beeinträchigungen ihrer Gesundheit, wie z.B. allgemeines Unwohlsein, dauernde Müdigkeit, hohe Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Allergien etc.

Teilweise können diese Beschwerden auf ein ungesundes Wohnumfeld zurückgeführt werden. Da die Ursachen jedoch sehr vielfältig sein können und auch durch das Zusammenwirken mehrerer schädlicher Einflüsse verursacht sein können, müssen verschiedene Störquellen untersucht werden.

Das Haus wird in der Baubiologie als dritte Haut des Menschen, nach der Körperhaut und der Kleidung verstanden.
Im direkten Wohn- und Arbeitsumfeld, besonders aber in den Ruhe- und Regenerationsbereichen (Schlafzimmer, Kinderzimmer, etc.) soll die Verwendung bedenklicher Stoffe am Bau vermieden werden.

Baubiologisches Bauen konzentriert sich dabei besonders auf die Bereiche:

  • Vermeidung von schädlichen oder ausgasenden Chemikalien in Baustoffen
  • Durchführung eines natürlichen oder konstruktiven
    Holzschutzes
  • Vermeidung, bzw. Reduzierung von Radioaktivität (Baustoffe oder natürliche Radioaktivität durch Radon)
  • Schaffung eines diffusionsoffenen Raumklimas
  • Konstruktiver Feuchteschutz (Schimmelvermeidung)
  • Vermeidung und Reduzierung von niederfrequenten elektrischen und elektromagnetischen Feldern
  • Abschirmung hochfrequenter Strahlungen
  • Ökologische Baustoff- und Energieträgerwahl (Analyse Produktlinien)

 

  • Schaffung natürlicher und wohngesunder Oberflächen
  • Ergonomische Aspekte wie z.B. Möbelgestaltung, Anordnung von Funktionsbereichen, Belichtung

Bei bereits bestehenden Beschwerden ist es zuerst die Aufgabe der Baubiologie, zunächst mögliche Störquellen mittels geeigneter Messinstrumente zu erkennen und zu analysieren. Hierzu werden ggfs. weitere Fachpersonen oder Labore hinzugezogen.
Planerische Leistung der Baubiologie ist die Vermeidung von gesundheitsschädigenden Einflüssen, die Verminderung von möglichen störenden Einflüssen und damit einhergehend die Verbesserung der Wohn-, Arbeits- und Lebenssituation.
Besonderes Augenmerk gilt dabei Menschen, die langanhaltend am selben Platz in geschlossenen Räumen sind wie z.B. Kinder, alte Menschen, Kranke oder Berufstätige am Arbeitsplatz.

Baubiologisches Bauen muss dabei stets im Hinblick auf ihre bauphysikalische, finanzielle und bautechnische Eignung angewandt werden. Die umfassende Beratung zur individuellen Ermittlung der bestmöglichen und geeigneten Vorgehensweise ist Aufgabe des Baubiologen.
 

Weitere Links:
Institut für Baubiologie Rosenheim IBR
www.baubiologie.org

Verband Baubiologie (Deutschland) VB
www.verband-baubiologie.de

Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie/Bauökologie SIB
www.baubio.ch
 

Foto: Neubau Haus am Hardtholz, allergenarmes Wohnhaus, Gössweinstein,
Oberfranken

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