Ökologische Altbausanierung

 


Freie bebaubare Neubaugrundstücke werden immer rarer. Gleichzeitig nimmt der Anteil von ungenutzter oder nur schwer nutzbarer Altbausubstanz zu. Dabei spielt nicht nur die Umnutzung von Gebäuden eine Rolle, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben (z.B. alte Mühlen, Rathäuser, Dorfschulen, landwirtschaftliche Gebäude, etc.), sondern auch die Umgestaltung von veralteten Wohnkonzepten für zeitgemässe Anforderungen.

Historische Wertschätzung
Zum einen gilt es dabei, einen sensiblen und angemessenen Umgang mit dem historischen Wert des Gebäudes zu finden, wobei der Wert des Altbaus nicht nur im Sinne des finanziellen Wertes, sondern auch besonders im Hinblick auf seine historische Besonderheit und charakteristische Eigenarten zu verstehen ist. Dazu bedarf es der umsichtigen Einschätzung eines geeigneten Fachmanns.
Die charakteristischen Besonderheiten des Gebäudes sollen bei der Umplanung und Umnutzung im Sinne des unverwechselbaren Charmes des Gebäudes beibehalten, im besten Fall sogar hervorgehoben werden.

Modernes Leben in alten Mauern
Das Erbe eines alten Hauses muss keine Einschränkung für die Entfaltungsmöglichkeiten der Bewohner sein. Durch umsichtige Planung können moderne Haustechnik, und neue Materialien mit den erhaltenswerten Bauteilen des Altbaus kombiniert werden und ein zeitgemässes Wohnen und Leben in alten Mauern ermöglichen.
Bei der Analyse, Konzeption und Umsetzung ist der Architekt behilflich. Sofern Auflagen des Denkmalschutzes bestehen, so zählt die Abwägung der Bauherreninteressen mit den öffentlich-rechtlichen denkmalpflegerischen Interessen zu den Aufgaben des Architekten.

Altlastensanierung
Nicht selten sind in alten Häusern auch schadstoffhaltige Baumaterialien verbaut worden, die bei Umbau oder Umnutzung sachgerecht demontiert, ersetzt und entsorgt werden müssen. Bei Altbauten, auch solchen, die erst in den 1960er-80er Jahren erstellt wurden, verbergen sich Schadstoffe oder Altlasten unter optisch ansprechenden Oberflächen.
Mit baubiologischem und bautechnischem Fachwissen können die Schadstoffe erkannt werden, Demontage- und Entsorgungskonzepte erstellt und umgesetzt werden. Bei neu eingebauten Materialien sollte darauf geachtet werden, dass diese später wiederverwertbar oder recykelbar sind.

Gebäudeschätzung
Zur Einschätzung eines Gebäudes, z.B. vor dem Kauf, sollte unbedingt eine Begehung des Gebäudes gemacht werden und der Aufwand von notwendigen Rückbauten eingeschätzt werden.

 

Hierbei kann ein Architekt und Baubiologe den Kaufinteressenten fachkundig unterstützen.
Oftmals kommen teure Entsorgungskosten bei erforderlichem Teilabbruch und Rückbau auf den Neueigentümer zu (z.B. Asbestplattenentsorgung, Kunststoffe, Holzbauteile mit Holzschutzmitteln). Bei der Berechnung des Gebäudewertes ist die Einschätzung der zu erwartenden Umbau- und Entsorgungskosten wesentlich.

Wiederverwendung, Recycling
Bei Bausanierungen ist es sowohl gestalterisch ansprechend als auch bautechnisch sinnvoll, gewisse Bauteile wieder durch alte Bauteile zu ersetzen. Dies unterstützt den besonderen Charakter des Hauses und fügt sich auch ins konstruktive Gesamtbild des Gebäudes. Die Auswahl geeigneter Altbauteile und Prüfung im Einzelfall kann Bestandteil der planerischen Leistung sein. Die Wiederverwendung alter Bauteile und Baustoffe (z.B. aus anderen Abrisshäusern) ist ein ökologischer Beitrag zum ressourcensparenden Umgang mit der Natur.

Modernisierung
Die komplette Bauerneuerung eines Altbaus im Sinne zeitgemässer Energieeinsparung und dem Einsatz ökologisch unbedenklicher Stoffe (Altlastensanierung) wird teilweise von öffentlichen Stellen oder Baufinanzierern gefördert. Im Einzelfall ist es sinnvoll, Förderungsmöglichkeiten von Modernisierungen zu prüfen. Dabei müssen aber stets die individuellen Vorstellungen, die Möglichkeiten zur Energieeinsparung und der finanzielle Rahmen miteinander abgewägt werden.
 
 

Foto: Innenraumperspektive Haus Leber, Dettighofen (Umbau eines Bauernhauses)

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